Vizemeister: Das Rezept

April 2008

Das U16-Team von Chur Unihockey ergatterte sich am vergangenen Wochenende zum fünften Mal in Serie eine Medaille im Kampf um die Schweizer Meisterschaft. Nach den Meistertiteln 2004 und 2005 sowie den Bronzemedaillen 2006 und 2007 konnten sich die Churer U16-Junioren erstmals die silberne Medaille des Vizeschweizermeisters umhängen lassen. Baumeister dieses Erfolges sind die vier Männer an der Bande: Die Trainer Patrick Ritsch, Pietro Colagrande, Remo Adank sowie Betreuer Peter Schneller. Ein Saisonrückblick mit den drei Trainern.

Von Simon Rageth

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Das U16-Team erkämpfte sich die Silbermedaille

Euer primäres Ziel in dieser Saison war, die einzelnen Spieler weiter zu bringen. Wurde das Ziel erreicht?

Patrick Ritsch: Diese Frage kann ich mit einem klaren ja beantworten. Wenn ich jetzt auf den Saisonbeginn zurückschaue, stelle ich fest, dass sich jeder einzelne Junior positiv verbessert hat. Auch im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich neben dem Unihockey haben die Jungs enorme Fortschritte gemacht. Zudem hat sich der Mannschaftsrat je länger je besser um das Team gekümmert und war somit ein super Bindeglied zwischen Team und Trainern.

Pietro Colagrande: Hinzu kommt, dass die Jungs sehr viel in diesem Jahr gelernt haben. Nicht nur in Technik und Taktik, sondern gerade auch an Disziplin und Rücksichtnahme auf Schwächere.

Remo Adank: Ja, die Jungs haben sich auf und neben dem Platz gut weiterentwickelt. Während der Finalrunde konnten wir sehen, mit welcher Einstellung und Disziplin das Team aufgetreten ist. Dies war nur möglich, weil jeder Spieler hart an sich gearbeitet hat und wir schon während der Saison einiges von den Spielern forderten.

Die Stimmung im Team war während fast der gesamten Saison positiv und es konnte eine Einheit gebildet werden. Wie habt ihr diese Einheit gebildet?

Patrick Ritsch: Wir haben von Anfang an auf das Kollektiv gesetzt. Schon in den ersten Wochen der Saison gingen wir in eine Maiensässhütte. Zudem haben wir Helfereinsätze neben dem Unihockey geleistet, wie am Champy Cup als Strafennehmer und Bandenboys. Im Herbst haben wir in Maladers eine riesige Wiese von Gestrüpp, Ästen und ganzen Bäumen gesäubert. Ausserdem fuhren wir immer auf der Teamwork-Schiene. Jeder musste seinen Teil zum Team beitragen.

Pietro Colagrande: Die Stimmung war manchmal auch negativ. Für uns Trainer war es eine richtige Herausforderung. Es brauchte sehr viel Arbeit und Fingerspitzengefühl, aus pubertierenden Jungs eine solche Einheit zu bilden. Doch im Grossen und Ganzen bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.

Remo Adank: Beim Teamweekend zu Saisonbeginn in Brambrüesch machten wir ein Teamweekend unter dem Moto: „Robinson Cruso“. Mit Spielen und Rätseln mussten sich die Jungs das Essen erkämpfen. Die harte Arbeit auf der Wiese brachte die Spieler ans Limit. So wurde unser Penungu, so nannten wir unseren Teamgeist, in den Köpfen und materiell geschaffen. Besonders stolz bin ich auf unsere Teamleader, die massgeblichen Anteil an dieser erfolgreichen Saison haben. Sie waren spielerisch und menschlich eine wichtige Stütze der Trainer und hatten oft positiven Einfluss auf die Gruppe.

In dieser Saison gab es viel zu jubeln   In 14 Qualispielen habt ihr ein Torverhältnis von plus 131 Toren erzielt. Welches waren die Erfolgsfaktoren?

Patrick Ritsch: In den entscheidenden Spielen war unsere kompakte Defensivarbeit mitverantwortlich, dass wir als Sieger vom Platz gehen konnten. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte hatten wir damit unsere Mitstreiter um den Gruppensieg im Griff. Schlussendlich war aber meistens das gesamte Kollektiv massgebend am Erfolg beteiligt. Ebenfalls spielten wir die Saison immer mit drei Linien durch und konnten auch Spieler vom B1 oder C-Inter erfolgreich einbauen.

Pietro Colagrande: „Immer als Team auftreten“ hiess die Parole. Hervorragende Torhüterarbeit, starke Defensive und im Verlaufe der Meisterschaft haben die Jungs auch im technischen und taktischen sehr viel gelernt, so dass das Passspiel ebenfalls gut und schnell geworden ist.

Remo Adank: Abwechslungsreiches und hartes Sommertraining am Anfang. Während der Saison machten wir immer wieder Trainingseinheiten für die Fitness der Spieler. Im Training selber mussten verschiedene Ziele zu den einzelnen Übungen erreicht werden. Disziplin, Einstellung und Selbständigkeit wurden gefordert und gefördert.

Welches waren die schönsten und schlechtesten Erfahrungen in dieser Saison?

Patrick Ritsch: Das faire Verhalten nach dem Finalspiel gegenüber Uster. Erst bei schmerzenden Niederlagen sieht man den wahren Charakter einer Mannschaft. Wir haben alles gegeben und es reichte am Schluss knapp nicht. Auch sehr schön waren die Verabschiedungen des Teams an uns Trainer. Wir waren eine homogene Truppe. Nicht so schön waren Trainings, in welchen einzelne Spieler nicht bei der Sache waren und andere mit völlig sinnlosen Belangen ablenkten. Ich bin aber froh, dass ich diese Saison ein Teil dieses tollen Teams war. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, auch bei meinem kompletten Staff: Pipo, Remo und Peter.

Pietro Colagrande: Das schönste Erlebnis war nach so harten Trainings und Sommertrainings das Erreichen der Finalrunde und dass wir uns auch immer auf die Eltern verlassen konnten. Sie Unterstützen uns die ganze Saison hindurch. Die schlimmste Erfahrung war, uns Trainer hat dies sehr viel Energie gekostet, dass sich nicht alle Jungs gleich einordnen liessen.

Remo Adank: Die schönste Erfahrung war natürlich die Finalrunde mit dieser tollen Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld. Ich glaube wir Trainer und auch die Spieler konnten dort wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen für die Zukunft sammeln. Besonders schön fand ich den Zeitpunkt, als einige Bad-Boys ihre Einstellung und ihr Verhalten änderten und professionell mit der Mannschaft das Finalrundenziel verfolgten. Sie wurden während der Finalrunde für das Team enorm wichtig. Leider gab es da auch einige Spieler, die in die Lücke der Bad-Boys sprangen und durch ihr Verhalten und Einstellung die Trainings störten. Zum Glück waren wir vier Trainer.

Den Erfolg über die Defensive erreicht   Wie konnte diese Konstanz von fünf Medaillen in Serie erreicht werden?

Patrick Ritsch: Sicherlich ist es enorm wichtig, wie die jungen Spieler auf das Grossfeld vorbereitet werden. Ich denke wir konnten dies in den vergangenen Jahren national gesehen sehr erfolgreich den Jungs vermitteln und so auch eine breite Basis für allfällige spätere SML-Spieler schaffen. Ebenfalls ist es wichtig, dass man in einer grösseren Mannschaft auch auf die Selbstständigkeit der Spieler setzten kann und sich auf den Trainings- sowie Spielplan fokussiert und nicht als „Aufpasser“ der Jungs unnötig Zeit verbrennt. Sicherlich ist auch der höhere Trainingsaufwand im Vergleich zu anderen Teams mitverantwortlich. Wir trainieren mit der U16 dreimal in der Woche.

Pietro Colagrande: Über die fünf Medaillensätze in Folge kann Patrick oben besser Auskunft geben.

Remo Adank: Als Aussenstehender würde ich einmal auf die Erfahrung und die Professionalität der beiden tippen.

Wie sieht eure Unihockey-Zukunft aus?

Patrick Ritsch: Eigentlich wollte ich mal in unserer 3. Liga spielen, aber die wollten mich nicht! (lacht) Als Trainer habe ich auf das Saisonende hin demissioniert. Ab der nächsten Saison werde ich als Teammanger der U16 tätig sein. Dort bin ich dann für die Administration, Organisation, etc. des Teams zuständig.

Pietro Colagrande: Nach 9-jähriger Tätigkeit als Trainer von Junioren nehme ich die Herausforderung an, den Sprung zu Juniorinnen zu machen. In der kommenden Saison werde ich bei Piranha Chur die U21-Mannschaft trainieren. Ich möchte noch einen Dank an Patrick, Peter, Remo und das ganze Team aussprechen: es war eine coole Saison!

Remo Adank: Ich werde vielleicht wieder anfangen zu spielen… und irgendwann sicher wieder an die Bande zurückkehren.