Tomáš Sladký im Interview

Du bist seit anfangs Juli in Chur. Wie hast du dich eingelebt?
Hallo zäma! 🙂
Alles hat sehr gut geklappt. Es war nicht so einfach mein ganzes Leben in Tschechien zurückzulassen und nach Chur zu zügeln, aber mit meiner tollen Familie geht alles irgendwie einfacher. 🙂
Und weil ich bereits früher hier gespielt hatte, verlief die Akklimatisierung ohne Probleme. Wir kennen die Stadt, wir haben Kollegen hier und die ganze Unterstützung des Vereins war und ist immer wirklich tipptopp!

Was schätzt du an Chur und seiner Umgebung?
Chur ist ideal Stadt für uns: nicht so gross, nicht so klein. Wir haben immer etwas zu tun. Und die Natur hier ist einfach wunderschön!

Was vermisst du aus Tschechien?
Eigentlich vermisse ich „nur“ selber Unihockey zu spielen. 😊 Die letzten vier Jahren habe ich bei meinem Heimklub 1.SC Vítkovice gespielt und es war mein Ziel, meine Karriere zu Hause zu beenden. Und genau so durfte ich es auch erleben, in einem legendären „Superfinal“ 2021.
Klar fällt es nicht allen leicht, im Ausland zu leben. Für mich ist es aber ganz normal. 😊

Wann und weshalb hast du mit dem Unihockey gestartet?
Ich habe damit im September 1994 in Ostrava, der drittgrössten Stadt im Osten von Tschechien, begonnen. Unihockey war eine absolut neue Sportart in Tschechien. Ich wollte dies einfach ausprobieren und habe dann sofort gewusst, dass dies mein „Cup of Tea“ ist.

Du warst in der Saison 2014/15 bereits als Spieler bei Chur? Was hat sich seither in Chur geändert?
Natürlich hat sich die NLA-Mannschaft inzwischen verändert. Trotzdem kenne ich noch ein paar Gesichter von früher. 😊 Die Stadt ist noch immer gleich schön wie bei meinem letzten Engagement bei Chur Unihockey. Jetzt wohne ich mit meiner Familie in einer anderen Wohnung, aber noch immer ganz nahe von unserer Trainings- und Spielstätte, die GBC. Somit ist alles in Ordnung. 😊

Du hast als aktiver Spieler in Tschechien, Schweden und Finnland gespielt und als Nachwuchstrainer gewirkt. Wie unterscheiden sich die Spielkulturen und der Unihockeysports in diesen Nationen?
Dies ist eine sehr grosse Frage und für eine umfassende Antwort müsste ich länger ausholen, als mir für dieses Interview wahrscheinlich Platz eingeräumt wird. Der Unihockeysport ist jetzt noch schneller und physischer geworden. Die Spieler sind auch technisch noch besser beschlagen und machen einfach alles in mit höherem Tempo. In Schweden durfte ich am meistens lernen. Insbesondere, dass man für ein Topniveau nicht nur Skills benötigt, sondern auch taktisches Verständnis und viel persönliche Disziplin.

Ist dir der Rücktritt von deiner erfolgreiche Aktivkarriere gut gelungen und wie hast du dich darauf vorbereitet?
Wie bereits erwähnt, wollte ich meine Spielerkarriere unbedingt zu Hause beenden. Darum habe ich meinen Rücktritt auch bereits während der laufenden Saison 2020/2021 bekanntgegeben. Somit spielte ich im Wissen, dass es meine letzte Saison und somit die letzte Möglichkeit sein wird, als Spieler noch einen Titel zu gewinnen. Ich habe – wie immer – alles gegeben. Leider es hat nicht geklappt. Mit meinem Heimverein Vitkovice haben wir das Superfinal 2021 mit viel Pech verloren … 😊
Mit Chur Unihockey bin ich schon seit vier Jahren immer wieder im Kontakt gestanden, um ein Engagement als Coach zu prüfen. Jetzt bin ich endlich hier und das erste Mal in meiner langen Unihockey-Karriere „nur“ als Trainer engagiert. Ich muss mir eingestehen, dass es vor allem beim Start in die neue Saison nicht einfach war, meinen Unihockeystock nicht mehr zu gebrauchen.

Bist du mit dem Saisonstart der NLA und der U21 zufrieden? Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?
Diesen doppelten Einsatz bei zwei Leistungsteams finde ich grossartig, aber gleichzeitig auch sehr hart. Manchmal habe ich Gefühl, dass ich muss auf zwei Hochzeiten tanzen muss 😊
Mit dem NLA-Team konnten wir die gleiche, neue Spielidee schneller umsetzen. Als Assistenztrainer in der NLA bin ich verantwortlich für Defensivspiel und andere spezielle taktische Punkte. Mit Iivo Pantzar funktioniert es sehr gut. Ich kenne ihn bereits aus Finnland, wo wir eine Saison gemeinsam ein Juniorenteam trainiert haben.

Und bei der U21?
Als Cheftrainer habe ich ein paar Wochen gebraucht, um das ganze Team kennenzulernen – nicht nur die Namen der Spieler😊, sondern vor allem auch die unterschiedlichen Charakteren, die individuellen Skills und Stärken jedes Einzelnen. Also nehme ich es Schritt für Schritt. Ich finde, wir machen einen besseren und besseren Job auf dem Feld. Für mich ist es auch selbstverständlich, dass es Zeit braucht, bis ich als neuer Trainer meine Ideen den Spielern vermitteln kann und das neue Spiel-System auch verstanden wird. Wir sind zwar noch noch auf dem Tabellenplatz zu finden, den ich mir wünsche, aber für mich als Cheftrainer ist es am wichtigsten, eine Entwicklung zu sehen: Das heisst, dass jeder ein besserer Unihockeyspieler, ein besserer Athlet wird und jeder in seiner Persönlichkeit wächst.

Beide Teams sind noch sehr jung. Wie beurteilst du den weiteren Saisonverlauf?
Dies stimmt – zwei junge Teams mit viele Potential. Ich gebe nicht gerne solche Prognose aber. Ich hoffe, dass wir mit dem NLA-Team gute Resultate erzielen und wieder für den traditionellen Verein, der auf eine grosse grosse Historie zurückschauen darf, erfolgreicher sein werden.
Und bei der U21 hoffe ich, möglichst viele Junioren für die NLA bereit zu machen! Die U21 ist die letzte Altersstufe vor den Aktiven. Mein Ziel ist es, jede Saison mindestens zwei „Ready-Spielers“ in die A-Mannschaft zu bringen.

Was sind deine Zukunftspläne? Was macht Tomas Sladky in 5 Jahren.
In 5 Jahren ist meine Tochter 5 Jahren alt. Vor allem hoffe ich, dass es meiner Familie weiterhin gut geht!
Auch in Zukunft werde ich als Coach tätig sein. Ich habe bereits während meinen letzten 10 Jahren als aktiver Spieler stets auch ein U-Team trainiert. Ich möchte und werde mich als Coach weiterentwickeln. In jeder Saison will ich etwas Neues dazulernen und so mein Unihockey-Abenteuer weiterleben.

Als ehemaliger tschechischer Nationalspieler und 6-facher WM-Teilnehmer, was sind deine Prognosen für die bevorstehende Herren-WM in Helsinki?
Ok, wieder eine Prognose😊 Hoffentlich, in Helsinki es gibt eine grosse Überraschung. Ich denke aber, dass Gold wieder für Finnland reserviert ist. Silber geht an Schweden und um die Bronzemedaille wird Tschechien gegen die Schweiz spielen – wie immer 😉